Geschichte des Lernens im Tandem und Teletandem
1960-1970: Das Konzept des Lernens im Tandem wird im Rahmen „binationaler Sprachkurse“ des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) entwickelt und ist seitdem fester Bestandteil der theoretischen Diskussion über die Lehre und das Lernen von Fremdsprachen (Macaire, 2004: L 8.2; Kerndter: L 6.1: 2f., Brammerts/Kleppin, 2005; Telles, 2006: 3). In gemeinsamen von Sprachlehrern organisierten Sprachkursen (ausgearbeitete Lernmaterialien, normale Unterrichtssituation) lernen deutsche und französische Schüler im direkten Kontakt (Face-to-Face) die Sprache ihres Partners (Macaire, 2004: L 8.2; Projekt Tele-Tandem, 2003: L 9.1). 1970-1980: War das Lernen zunächst durch „die starke Stützung auf vorkonzipierte Materialien (…) und die kleinschrittige Steuerung der Tandemarbeit durch die Lehrer / Sprachanimateure“ (Brammerts/Kleppin, 2005:15) gekennzeichnet, wird nun der Grundstein für die Weiterentwicklung des Tandemkonzepts gelegt, indem individuelle Tandempaare bestehend aus einem Ausländer und einem einheimischen Fremdsprachenlerner gebildet werden (Kerndter: L 6.2, Wolff, 2005). Ab 1982 erfolgt die Vermittlung der Lernpartner innerhalb eines Kurssystems (Wolff, 2005). Auch hier erfordert das Face-to-Face-Tandem die Präsenz beider Partner sowie die partielle Präsenz einer Lehrkraft.
1980-2000: Entwicklung eines ersten theoretischen Ansatzes, der das Konzept des autonomen Lernens im Hinblick auf das Lernen im Tandem untersucht und vertieft. Die von Henri Holec in dem Band Autonomy and self-directed learning: present fields of application herausgegebenen Beispiele und Ergebnisse dienen mit als Grundlage für das von 1992 bis 1996 an der Ruhr-Universität in Bochum durchgeführte E(mail)-Tandem-Projekt (Telles, 2006a: 6; Brammerts/Kleppin, 2005). Das Projekt, im Rahmen des von der EU geförderten SOKRATES Programms LINGUA, beinhaltet die Einführung von Tandemunterricht an mehreren europäischen Universitäten und trägt zur Gründung des International Tandem Network bei, an dem mittlerweile 12 europäische Universitäten beteiligt sind (www.slf.ruhr-uni-bochum.de/bochum-deu.html ; Telles, 2006a: 6). Das E-Tandem-Projekt ermöglicht den Studierenden über die Homepage der Universität einen individuellen Email-Tandempartner zu wählen und selbstständige Tandems durchzuführen bzw. herkömmliche Face-to-Face-Tandems aufzubauen. Schwierigkeiten bei der Auswahl der Tandempartner sowie andere Probleme werden mit einer Lehrkraft besprochen. Auch E-Tandem erfordert deshalb die partielle Präsenz einer Lehrkraft, das synchrone Face-to-Face-Tandem außerdem die Präsenz der Tandempartner.
Obwohl die technischen Voraussetzungen für einen internetgestützten Tandemunterricht schon gegeben sind, erschweren die hohen Kosten (Telefon-Internet-Software) eine breitere Anwendung von internetgestütztem Tandemunterricht (Telles, 2006: 12).
Nach 2000: Im Jahre 2002 stellt das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) die Sprachlernmethode Tele-Tandem vor, die „auf partnerschaftlichem und integriertem Lernen nach der Tandemmethode unter Einbeziehung der neuen Technologien basiert“ (Macaire, 2004: L 8.1: 1).
2005 wird mit dem von Brammerts und Kleppin herausgegebenen Buch Selbstgesteuertes Sprachenlernen im Tandem (Brammerts/Kleppin, 2005:16) erstmals eine umfassende theoretische Beschreibung der Grundlagen autonomen Lernens als Ergebnis der bisherigen an europäischen Universitäten durchgeführten E-Tandemprojekte veröffentlicht.
2006 wird an der Universidade Estadual Paulista in Brasilien das Teletandem Brasil-Projekt ins Leben gerufen mit Partneruniversitäten in Lecce (Italien), Lille (Frankreich) und Illinois (USA) (Telles, 2006:2). Seit dem WS 2006/2007 besteht ein universitäres Teletandem-Projekt zwischen der Universidade Estadual Paulista und der portugiesischen Abteilung des FASK der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim.
Heute existieren u.a. folgende E-Tandem- und Teletandemprojekte: • International Tandem Network (Universitäten in Bochum, Sheffield, Oviedo, Coimbra, Turin etc.) • Teletandem Brasil (Assis/SP, Venedig, Lille, Mainz-Germersheim etc.) • Tele-Tandem des DFJW
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